Leitwort

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohlgeht, so geht´s euch auch wohl.“

Losung für den Monat Oktober aus dem Buch des Propheten Jeremia (29,7).

Die, denen der Prophet Jeremia diesen Rat erteilt, stecken mitten in einer alles andere als selbstgewählten Situation. Jeremia hat diese Worte aufgeschrieben in einem Brief, den er von Jerusalem nach Babylon verschickte, an alle, die nach der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier dorthin verschleppt worden waren und nun sehen mussten, wie sie im fremden Land klarkamen. Mit ziemlicher Sicherheit haben Viele gehadert. Sie wollten dort nicht sein und sie wollten dort auch nicht leben, nicht so – als Gefangene, Beherrschte und Unterdrückte. Sie wollten so schnell wie möglich wieder nach Hause, zurück ins Vertraute, in das eigene Land, die eigene Stadt, das eigene Haus, das alte Leben, zurück in die Normalität.

Das wird nicht gehen, sagt Jeremia ganz klar. Diese Wünsche und Hoffnungen mag es geben. Und es war und ist nur allzu menschlich, sie zu hegen. Dennoch sind sie fern der Realität. Und will man sich nicht im Hadern verlieren und seine gesamten Kräfte dafür verbrauchen, sich zur Wehr zu setzen gegen das Unvermeidliche, dann empfiehlt es sich, sich mit diesem Unvermeidlichen zu arrangieren, ja, die guten Seiten, das Beste daran zu suchen, zu entdecken und alles, was begegnet, dann Tag für Tag ins Gebet zu nehmen.

Der Macht positiver Gedanken zu trauen, in eine positive Haltung zu gehen – dazu ermuntert der Prophet. Dazu, der ermutigenden, stärkenden und verändernden Macht von Gebeten zu trauen. Und dazu, in die gemeinsame Verantwortung zu gehen für ein verträgliches soziales und gesellschaftliches Miteinander: „… denn, wenn´s ihr wohlgeht, so geht´s auch euch wohl.“

Wir werden aller Voraussicht nach noch eine ganze Weile leben müssen mit allen Einschränkungen, die die anhaltende Corona-Pandemie mit sich bringt, auch im bevorstehenden Herbst und Winter.

Manch einer hadert mit diesen Umständen und Verordnungen, mit den Regeln, die gelten. Manch einer ist genervt. Manch einer wird sorglos in der so großen Sehnsucht nach Normalität.

Die Verantwortung füreinander bleibt. Der Blick über den eigenen Tellerrand, die eigene Befindlichkeit, die nur eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinaus.

„Der Stadt Bestes“ suchen und „für sie zum Herrn“ beten, das kann dann bedeuten, miteinander zu tragen, was es zu tragen gibt, miteinander die bestmöglichen Wege zu finden, einander beizustehen, Rücksicht zu nehmen aufeinander, gemeinsam vor Gott zu stehen und alle Kraft und Ermutigung für den weiteren Weg von ihm zu erbitten und anvertraut zu bekommen, Tag für Tag.

 

Bleibt bewahrt.

Ihre/Eure Pastorin Dr. Christiane Eilrich